Planung einer Resilienzgruppe
Resilienz wächst nicht durch Kontrolle und Abschottung, sondern durch Beziehung, Übung und Verlässlichkeit.
Das wichtigste im Aufbau einer sozialen Gruppe ist deren Beziehung untereinander und die Form der Kommunikation. Diejenigen, die die Gruppe zu Beginn organisieren, sollten auch vorerst die Moderation der Gruppe übernehmen. Ohne gegenseitiges Vertrauen, eine gemeinsame Sprache und einen klaren und überschaubaren Zeitplan scheitert jede Form von Zusammenarbeit. Die Arbeitsgruppe sollte sich deshalb zu Beginn auch einen klaren zeitlichen Rahmen setzen, während dem sie bestehen will. Es geht nicht darum, dass eine Resilienzgruppe über mehrere Jahre hinweg zusammenarbeitet. (Ein realistischer Richtwert der Zusammenarbeit kann etwa ein Jahr sein, wenn man sich alle zwei Wochen für jeweils 2-3 Stunden trifft und diszipliniert zusammenarbeitet). Als nächstes können Fragen der Basisversorgung im überschaubaren Rahmen besprochen und organisiert werden. Dabei ist es sinnvoll, eher kleine, machbare Schritte statt umfassender Autarkiephantasien anzustreben. Erst später kommen ggf. komplexere, konfliktanfällige Bereiche hinzu. Diese brauchen soziale Reife und eingespielte Prozesse. Im folgenden werden die verschiedenen möglichen Phasen einer Resilienzgruppe skizziert:
PHASE I: Theoretische Grundlagen
Kommunikation & Orientierung
(Zeitplan: Je nach Turnus der Treffen 2–5 Monate)
Vorstellung und Vernetzung
Vorstellungsrunde: Wer bin ich, warum bin ich hier?
Wie erreichen wir uns im Alltag? Organisation eines Kommunikationsmittels für die Gruppe (E-Mail/social Media/Telefon).
Erwartungen und Zielsetzungen
In dieser Phase finden moderierte Gespräche über Themen und mögliche Arbeitsfelder der Gruppe statt. Es ist ratsam, hier nicht in eine Dramatisierung der Themen zu fallen, tolerant und geduldig zu sein und unterschiedliche Sichtweisen erst einmal zuzulassen. Man kann Listen von Themen erstellen: Welche Themen sind uns wichtig, was sind unsere Prioritäten?
Welche Ziele wollen wir mit unserer Ortsgruppe erreichen?
Wie theoretisch oder wie konkret wollen wir zu den jeweils unterschiedlichen Themen Arbeiten?
Welche Formen von Information wollen wir als Ergebnisse unserer Arbeit wie zugänglich machen? Welche Datenbänke wollen wir ggf. anlegen? (Schriftverkehr und Kommunikation der Gruppe, Rechnungen/Finanzen, Protokolle, Bücherschrank, Fähigkeits-Datenbank der Menschen im Ort…)
Welche praktischen Projekte wollen wir wann umsetzen?
Aufgabenverteilung: Wer übernimmt die Moderation der Treffen, wer organisiert sie?
Recherche von lokalen Ressourcen
Über welche Fähigkeiten und Ressourcen verfügen wir Menschen vor Ort? (Fähigkeitenbörse oder Kartei/ „Wer kann was?“)
Was für wichtige Ressourcen sind in Bezug auf Nahrung, Wasser, Wohnen, Energie, Gesundheit und soziales vor Ort vorhanden, welche fehlen? Hier kann geografisches aber auch Gegebenheiten der Infrastruktur der Umgebung besprochen werden.
Gibt es vor Ort bestehende Menschen oder Initiativen, die in die Themen der Resilienzgruppe einbezogen werden können? Wer kennt wen, wer ist ansprechbar? Wann beziehen wir ein?
Wer braucht im Notfall zuerst Unterstützung? Kranke, alte Menschen, Kinder, Tiere…
Welche Betreuungs- oder Hilferessourcen gibt es, die im Notfall schnell organisiert werden können?
PHASE II: Praktische Umsetzung
Lokale Gemeinschaft und Resilienz organisieren
(Zeitplan: ca. 3–7 Monate)
Hier können gezielt die für die Gruppe wichtigsten Aspekte bearbeitet werden. Es ist sinnvoll, sich hier zeitliche Rahmen zu setzen und Untergruppen zu den Verschiedenen Themen zu Gründen, die ihre jeweiligen Ergebnisse dann der Gesamtgruppe vorstellen. Es braucht einen Ort für die erarbeiteten Informationen/Materialien der Gruppen. Dieser kann digital sein, es kann aber auch sinnvoll sein, wichtige Informationen analog zu dokumentieren.
Lebensmittel
Gibt es vor Ort Möglichkeiten für den gemeinschaftlichen Anbau von Lebensmitteln?
Gibt es Möglichkeiten der Wasserversorgung im Notfall?
Sind Kooperationen mit lokalen Betrieben möglich?
Gibt es Möglichkeiten und Wissen rund um das Thema einfacher Lagerung und Haltbarmachung von Wasser und Lebensmitteln?
Gesundheit & Nachbarschaft
Wollen wir uns in Nachbarschafts-Waben organisieren?
Gibt es vor Ort Erste-Hilfe-Wissen und ärztliche Versorgung?
Gibt es Möglichkeiten zur Pflegeunterstützung und die Betreuung von Kindern?
Energie & Wärme
Gibt es Möglichkeiten für das Kochen und zubereiten von Lebensmitteln im Krisenfall?
Kann man auf bereits vorhandene Ressourcen zur Energiegewinnung aufbauen?
Wie heizen wir im Winter, falls es einmal zu Energieengpässen kommen sollte?
PHASE III Langfristigere Projekte
(In diesem Bereich besteht ggf. ein hoher zeitlicher und finanzieller Investitionsbedarf, man sollte diesen Posten deshalb eher vorsichtig angehen).
Weitere und größere Projekte sollten erst angegangen werden, wenn die Gruppe sich gut kennt und die Kommunikations- und Organisationsfähigkeiten der Gruppe gewachsen und eingespielt sind. Es kann sonst schnell zu Konflikten und Machtkonzentration kommen, die den Zusammenhalt der Gruppe gefährden.
Mögliche aufwendigere Projekte
Brunnenbau, Wasserlagerung oder Filtermöglichkeit vor Ort
Krankenstation/Erste Hilfe Ausstattung organisieren
Lagerung größerer Lebensmittelvorräte organisieren
Fragen von autarker Notfall-Energieversorgung wie Windkraftanlagen, Solar, Generatoren und Ähnlichem.
Auch möglich ist die Anregung und Vernetzung mit Resilienzgruppen in der weiteren Umgebung: Je weiter man in Netzwerk-Strukturen eingebettet ist desto stabiler sind diese. Deshalb sind die Nachbarschafts-Waben ein Interessanter Baustein für Resilienz. Es ist auch denkbar und sinnvoll, dass man Vorträge in nachbarschaftlichen Gemeinschaften, Dörfern oder Stadtteilen hält um angrenzende Ortschaften dazu zu motivieren, eigene Resilienzgruppen zu gründen um so die Grundlagen eines Größeren Netzwerkes zu erweitern.
