Grundordnung für Ortsbezogene Resilienz- und Vorsorgeinitiativen
Diese Initiative gründet auf der Haltung, dass gesellschaftliche Resilienz aus Beziehung, Vertrauen und gemeinsamer Verantwortung erwächst und nicht aus Kontrolle, Abschottung oder technischer Optimierung. Diese Grundordnung ist bewusst schlank und für verschiedene Orte und Gemeinschaftsformen offen gehalten. Sie soll Orientierung geben und gemeinschaftliches Handeln ermöglichen. Ihre Stärke liegt darin, dass sie Identität ohne Institutionalisierung schafft – und damit genau jene soziale Elastizität fördert, die in Krisenzeiten tragfähig wird.
Zweck und Selbstverständnis
Die Initiative dient dem Aufbau, der Pflege und der Weiterentwicklung lokaler sozialer Resilienzstrukturen, die Gemeinschaften befähigen, auf Unsicherheit, Krisen und strukturelle Veränderungen gemeinsam zu reagieren. Ziel ist nicht die Umsetzung vorgegebener Lösungen, sondern die Stärkung sozialer Beziehungen, lokaler Kompetenzen und kollektiver Handlungsfähigkeit im Hinblick auf grundlegende menschliche Bedürfnisse. Die Initiative versteht sich als zivilgesellschaftliche Vorsorgeform, die formale Institutionen ergänzt, jedoch weder ersetzt noch mit diesen konkurriert.
Ortsbezug
Jede Initiative ist an einen konkreten Ort oder eine überschaubare Region gebunden. Inhaltliche Schwerpunkte ergeben sich aus den geografischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten des jeweiligen Ortes.
Offenheit und Teilnahme
Die Initiative ist offen für alle Menschen, die am jeweiligen Ort leben oder sich ihm verbunden fühlen. Die Teilnahme ist nicht an eine formale Mitgliedschaft geknüpft. Ausschlüsse erfolgen nicht aufgrund von Herkunft, Weltanschauung, politischer Haltung oder sozialem Status, solange das gemeinsame Ziel der Initiative respektiert wird.
Thematische Breite und Grundfelder
Die Initiative orientiert sich an den folgenden grundlegenden Lebensfeldern:
Wohnen und Schutz, Energie und Wärme, Wasser, Ernährung, Gesundheit und Fürsorge, Gemeinschaft, Kinder und sozialer Zusammenhalt. Diese Felder dienen als Orientierungsrahmen, nicht als Verpflichtung zur Bearbeitung. Thematische Vertiefungen erfolgen situativ und zeitlich begrenzt.
Selbstorganisation und Rollenverständnis
Die Initiative organisiert sich selbstverwaltet und dezentral. Koordinierende oder moderierende Rollen sind zeitlich begrenzt, rotierend und funktional, nicht hierarchisch. Keine Person oder Gruppe besitzt dauerhafte Entscheidungs- oder Deutungshoheit.
Moderation und Koordination
Moderation und Koordination dienen der Sicherung von Gesprächsqualität, Transparenz und Zusammenarbeit. Sie werden von dafür geeigneten Personen übernommen, deren Rolle auf die Gestaltung des Prozesses beschränkt ist und keine inhaltliche Entscheidungsbefugnis umfasst. Die Übernahme dieser Aufgaben erfolgt auf Grundlage von Kompetenz und einem klar benannten, zeitlich begrenzten Mandat. Ziel ist es, stabile, faire und lernfähige Arbeitsprozesse zu ermöglichen.
Entscheidungsfindung
Entscheidungen erfolgen bevorzugt im Konsens oder durch möglichst breite Zustimmung. Wo Konsens nicht erreichbar ist, werden Entscheidungen, wenn nötig, per Abstimmung getroffen, vertagt oder in Teilgruppen weiterbearbeitet.
Fähigkeiten und Ressourcen
Es ist sinnvoll, dass die Initiative die Sichtbarmachung individueller Fähigkeiten, Kenntnisse und Ressourcen fördert. Fähigkeitsdatenbanken oder Register dienen dabei der Bewusstwerdung und gegenseitigen Kenntnisnahme, nicht der Verpflichtung oder Ökonomisierung. Die Beteiligung an solchen Formaten ist freiwillig und jederzeit widerrufbar.
Verhältnis zu anderen Initiativen und Institutionen
Die Initiative kann die Kooperation mit Nachbarorten, lokalen Vereinen und öffentlichen Einrichtungen suchen, sofern dies der lokalen Resilienz dient. Die Vernetzung zwischen Orten erfolgt dabei ohne zentrale Steuerung, um Hierarchisierungsprozessen vorzubeugen. Die Selbstverantwortlichkeit der jeweiligen Gruppe steht im Vordergrund.
Umgang mit Krisen
In Krisensituationen aktiviert die Initiative bestehende Beziehungen, Kommunikationswege und Unterstützungsformen. Ziel dabei sind Stabilisierung, Fürsorge und Orientierung in der jeweiligen Situation vor Ort.
Machtbegrenzung und Schutz vor Hierarchisierung
Dauerhafte Führungsstrukturen, formale Ämter oder exklusive Entscheidungszirkel sind mit dieser offenen Organisationsform unvereinbar. Transparenz, Rotationsprinzipien und geteilte Verantwortung dienen der Prävention von Machtkonzentration (siehe auch die Rubrik „Moderation“). Die konstruktive Kritik an Strukturen oder Prozessen der Initiative wird als notwendiger Bestandteil kollektiver Lernfähigkeit verstanden. Es ist sinnvoll, diesem Prozess eine feste Zeit innerhalb der Initiative zu widmen.
Anpassungsfähigkeit und Weiterentwicklung
Diese Grundordnung ist kein starres Regelwerk, sondern ein sich entwickelnder Rahmen, in dem gemeinsames Planen und lebendiger Austausch möglich werden können. Lokale Anpassungen sind sinnvoll, sofern die Grundprinzipien von Offenheit, Dezentralität und Nicht-Hierarchie gewahrt bleiben.
