Konzept

Resilienz im psychologischen Sinne ist die Fähigkeit einer Person, Krisen zu bewältigen. Resilienz, ist der Prozess, in dem Personen auf Probleme und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren. Im Zusammenhang mit der Idee eines Resilienz-Netzwerkes geht es darum, dass wir uns in lokalen Gruppen auf eventuelle Krisenszenarien mental aber auch im Sinne direkter Maßnahmen darauf vorbereiten, mit veränderten Lebensbedingungen gemeinsam umzugehen. Dabei geht es weder um politische Debatten und Krisen-Hypothesen sondern um den Aufbau von Beziehung vor Ort. Es geht um die unaufgeregte Auseinandersetzung mit dem Thema Vorsorge. Resilienz bedeutet allerdings häufig auch, nach einer Störung möglichst schnell wieder in einen gewohnten Zustand zurückzufinden. Oftmals aber ist gerade dieser gewohnte Zustand selbst Teil des Problems in welches wir geraten sind. In solch einem Fall müssten wir es also viel eher lernen, durch einen Bruch hindurch ganz neue Formen des Zusammenlebens zu entwickeln, statt die Dinge wieder wie gewohnt zum Funktionieren zu bringen. Welche Veränderungen könnten aus solch einer Initiative hervorgehen? Und was erfahren wir in solch einem Prozess vielleicht über unsere Vorstellungen von Sicherheit, Wohlstand, Kontrolle, Gemeinschaft, einer hoffnungsvollen Zukunft und einem guten Leben?

Resilienzgruppen als soziale Form gesellschaftlicher Vorsorge

Angesichts ökologischer, sozialer und ökonomischer Krisendynamiken gewinnt die Frage nach lokalem Zusammenhalt zunehmend an Bedeutung. Während staatliche Institutionen, NGOs und themenspezifische Bewegungen wichtige Beiträge leisten, erscheint eine soziale Form bislang weniger bewusst gestaltet: die ortsbezogene Gruppe, die ohne institutionelle Rahmung grundlegende Lebensbereiche gemeinschaftlich in den Blick nimmt.

Charakteristisch für solch eine lokale Gruppe ist ihre bewusste Offenheit: sie verzichtet auf eine formale Mitgliedschaft, eine rechtliche Organisationsform oder jedwede ideologische Bindung. Teilnahme beruht auf Freiwilligkeit und Themen entstehen aus den konkreten Fragen, Erfordernissen und Möglichkeiten des jeweiligen Ortes. Dadurch bleiben die Gruppen niedrigschwellig, anschlussfähig und sozial inklusiv.

Zentral ist dabei der konsequente Bezug auf den jeweiligen Ort. Resilienz wird nicht abstrakt gedacht, sondern geografisch, sozial und kulturell verortet. Fragen nach Flüssen, Böden, Infrastruktur, vorhandenen Fähigkeiten der Menschen oder regionalen Abhängigkeiten bilden den Ausgangspunkt. Die Gruppe fragt nicht, welche universellen politischen Lösungen richtig wären, um krisenhaften Szenarien zu begegnen, sondern was dieser konkrete Ort unter den gegebenen Bedingungen ermöglichen kann. Resilienz erscheint hier als relationale soziale Praxis unter den jeweiligen Gegebenheiten des Ortes.

Strukturell benötigen solche Gruppen nur eine minimale Organisationsstruktur: regelmäßige offene Versammlungen bilden das Herzstück einer Resilienzgruppe. Ergänzend können sich Gruppen zu thematischen Schwerpunkten bilden, die sich zeitlich begrenzt einzelnen Fragestellungen widmen. Koordinierende Rollen innerhalb einer solchen Gruppe sind hilfreich, bleiben jedoch rotierend und auf organisatorische Aufgaben beschränkt. Entscheidungsprozesse orientieren sich an Zustimmung und Konsens, um Polarisierung zu vermeiden und Vertrauen zu erhalten.

Wichtig ist dabei die bewusste Abgrenzung gegenüber alarmistischen oder autarkistischen Narrativen. Ortsbezogene Resilienzgruppen verstehen Vorsorge nicht als Reaktion auf einen unmittelbar erwarteten gesellschaftlichen Zusammenbruch, sondern als langfristige soziale Praxis. Vernetzung und Kooperation mit Nachbarn, Nachbarorten, bestehenden Institutionen und lokalen Initiativen ist ausdrücklich erwünscht.